Belucha – Auf den höchsten Gipfel des Altais.

Tomskaja Stojanka

Unserer Tagesziel Tomskaja Stojanka erreichten wir nach einer längeren Gletscherwanderung über den Akkemgletscher. Der Lagerplatz ist benannt nach einer Gruppe Alpinisten aus der Stadt Tomsk, die an dieser Stelle wohl das erste Mal zelteten. Hier befindet sich auch eine kleine Biwakschachtel, die wir zum Kochen und Essen nutzten. Zum Schlafen für alle ist die Hütte jedoch zu klein, so dass drumherum gezeltet wurde.

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Am nächsten Tag stand Alpintraining auf dem Plan. Am nahen Gletscher Arbus – Wassermelone wurde unter anderem das Steigen am Fixseil mit Steigklemme, Traversieren und Abseilen geübt. Wieder war das Wetter schlecht, aufgrund der Höhe gab es Schneeregen. Die Belucha wurde ihrem Ruf als Schlechtwettergipfel voll gerecht. Zwar wurde versucht das Training in die Niederschlagspausen zu legen, doch hatten nicht alle Trainingsteilnehmer das Glück zumindest einigermaßen trocken in die Schlafsäcke kriechen zu dürfen.

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Nun wurde es ernst. Heute galt es nach kurzer Passage des Arbus-Gletschers eine vereiste Steilpassage von sieben Seillängen bei 45° Steigung mit dem immer noch schweren Gepäck hinauf zum Delone-Pass zu bewältigen. Glücklicherweise war uns auch zumindest heute das Wetterglück hold.

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Oben auf dem Pass blickt man nach Süden auf die große weiße fast flache Ebene des Mensu-Gletschers, umgeben von sehr beeindruckenden steilen unbekannten Berggipfeln.

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Nach leichter Querung dieses Gletschers geht es durch spaltenreiches Gelände Berelskoje-Pass hinauf auf das Berelskoje-Plateau wo sich das Schneelager befindet. Die Route umgeht also die für den Normalbergsteiger unbezwingbare Akkemwand und nähert sich dem Gipfel der Belucha von Süden.

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Das Schneelager auf 3600m befindet sich streng benommen auf kasachischem Territorium. Man hat von dort auch eine ausgezeichnete Sicht bis weit nach Süden ins Land der weiten Steppen – welches sich hier allerdings recht untypisch als endlose Gipfellandschaft präsentiert. Auch das Schneelager ist gut organisiert. Aufgrund der Spaltengefahr darf man sich nicht weit vom Lager entfernen, so gibt es neben den Zelten auch zwei durch hohe Schneewände abgeschirmte “Toiletten”.  Eigentlich handelt es sich um mit einer Schaufel ausgehobene Löcher im Schnee. Ob das Klo besetzt ist, wird durch in die Abschirmmauer gesteckte Eispickel signalisiert. Neben den typischen Baumaßnahmen wie Schneemauern als Windschutz haben sich einige hier regelrechte Wohnküchen aus Schnee geschaffen.

Solange die Sonne scheint und kein Wind weht, ist der Aufenthalt im Lager recht angenehm. Doch sobald der erste Schatten eines Berggipfels gegen Abend die Zelte erreicht, wird es mächtig kalt. Hauptproblem ist allerdings die Wasserversorgung. Große Volumina an Schnee müssen geschmolzen werden um ein wenig Wasser zu erhalten. Abends geschmolzenes Wasser ist morgens wieder gefroren. Man muß schon aufpassen, dass man genug trinkt und nicht dehydriert.

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Beluchagipfel

Gipfeltag – noch voll in der Nacht und im Dunkeln geht es raus in die Kälte und man jeder macht sich abmarschbereit. Wie immer das alte Vabanque-Spiel zu viel anziehen und beim Aufstieg schwitzen oder zu wenig anziehen und frieren. Man muss sich in den Bergen eigentlich situationsangepaßt ständig umziehen, aber in einer Seilschaft hat man meistens nicht die Gelegenheit hierzu. Zum Belucha-Ostgipfel mit 4506m geht es zunächst mäßig steil Bergauf, da noch ein Nebengipfel umgangen werden muss. Der Westgipfel der Belucha ist etwas niedriger und wird deshalb kaum besucht. In einer Spaltenzone sahen wir dann zum ersten Mal den kompletten Gipfelaufbau des Ostgipfels. Hier erkennt man drei mögliche Varianten zum Gipfel : Über den Südwestgrat, Über den Nordostgrat und über eine Schnee und Eisflanke sowie ein kurzes Stück Südwestgrat. Die letztgenannte Variante ist scheinbar die einfachste. Sie ist nach der russischen Skala mit 3A bewertet, während die anderen beiden Optionen den Schwierigkeitsgrad 3B aufweisen. Kurz nach Erläuterung der Varianten durch unseren Bergführer Andrej löste sich oberhalb von uns eine Lawine, die uns aber nicht erreichte.

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Also ging unsere Route immer steiler die Schneeflanke (3A) bergan bis zu einem Bergschrund. Von hier ab legte Andrej wieder ein Fixseil bis auf den Grat hinauf. Aufgrund mangelnder Befestigungsmöglichkeiten dort oben sollte diese Sicherung allerdings nicht über Gebühr strapaziert werden. Bei Plötzlich verschlechternden Wetter quälten wir uns am Seil zum Grat hinauf. Dort oben tobte inzwischen ein ordentlicher Schneesturm und wir wurden vor die Frage gestellt, was wir weiter machen sollten. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns trotzdem zum Gipfel zu gehen, denn es ging ja im Prinzip nur noch am Grat entlang. Wir hatten zwar noch einen Reservetag, allerdings waren einige durch den heutigen Gipfelanstieg schon so am Ende ihrer Kräfte, so dass ein morgiger erneuter Versuch höchstwahrscheinlich auch bei besseren Wetterbedingungen gescheitert wäre.

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Der Grat zog sich dann allerdings doch noch, und wir erreichten um 11:00 Uhr den Gipfel der Belucha im dichten Schneetreiben. Neben einer wetterbedingt kurzen Fotosession mit Präsentation der für Russland typischen Banner gab es auch auf der Belucha noch ein Gipfelritual : Dort befindet sich eine kleine Glocke, die ein jeder mit den Eispickel kurz anschlägt. Abgesehen hiervon war der Gipfel selbst ein kleines Schneeplateau, soweit wie ich es in der weißen Suppe überhaupt beurteilen konnte. Einziger Hinweis auf dem Gipfel war die besagte Glocke, ansonsten war die Sicht leider gleich Null. Hätte Andrej uns einen Vorgipfel als Gipfel verkauft, wir hätten es auch geglaubt 😉 .

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Der Abstieg erfolgte auf der gleichen Route. Nur am unteren Ende des Fixseiles war es etwas unangenehm in relativ steilem spaltenreichen Gelände im Schneetreiben auszuharren, bis alle unten waren. Aber das ist nun mal der Nachteil einer so großen Seilschaft. Das Schneetreiben hörte erst auf kurz bevor wir das Lager erreichten, der eisige Wind blieb noch die ganze folgende Nacht.

Am folgenden Tag ging es dann wieder über Mensu-Gletscher, Delone-Paß und einer ausgiebigen Pause bei Tomskaja Stojanka zum Akkem-See. Interessanterweise wurde fast das gesamte Schneelager an dem Tag aufgegeben, so daß sich eine richtige Karawane über den Mensu-Gletscher hinzog, und es zu Stauungen an der Abseilstelle vom Delone-Paß kam. Um schneller voranzukommen wurde unsere Gruppe wie schon auf dem Hinweg auf zwei Seilschaften aufgeteilt, die von den Führern Andrej und Jelena angeführt wurden.

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Am Akkem-See wurde noch einmal übernachtet und meine Teilgruppe entschied sich aufgrund der immer noch unstetigen Wetterlage schnellstmöglich, also in einem Tag die Strecke nach Tjungur zu Laufen, während die Moskauer Fraktion dies wie auf dem hinweg auf zwei Tage verteilen wollte. Unser Plan ging auf und wir erreichen noch am Abend das nun sehr freundlich und warm erscheinende Dorf Tjungur. Als Alternative wäre noch der Rückweg über das Kutscherla-Tal möglich gewesen, aber dann hätten wir noch einmal über einen Paß wandern müssen, wodurch Tjungur nicht an einem Tag erreichbar gewesen wäre.
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An den letzten zwei Tagen hatten wir somit noch Zeit für etwas Kultur (!) und auch die typisch russische Banja, also Sauna, durfte nicht fehlen. Vielleicht 20 km von Tjungur im kleinen Ort Werchnij Uimon gibt es ein Museum des in Russland recht bekannten Malers Nicholas Roerich, der dort ein Zeit lang lebte. Ein Hauptthema seines Schaffens waren fantastische Gebirgslandschaften in wirklich atemberaubenden Blautönen.

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Fazit zur Tour

Absolut lohnenswerte Tour. Mit dem Wetter hat man natürlich zu kämpfen. Vor allem bin ich aber froh, dass meine Kamera die ganze Nässe überlebt hat. Der Berg ist aufgrund der langen aber interessanten Wanderung, der nicht vorhandenen Infrastruktur und des wirklich schweren Gepäcks nicht mit 4000ern in den Alpen zu vergleichen, hier muss man wirklich noch Schweiß investieren.

Die Belucha – “Die Weiße” ist mit 4506m der höchste Berg des Altaigebirges und auch Sibiriens im eigentlichem Sinne. Nur auf der Halbinsel Kamtschatka gibt es noch höhere Vulkane.

Teilnehmer :

Andrej (Bergführer), Jelena (Bergführer),Wowa,  Alexej, Jens, Walera, Wladimir, Alexander, Sergey, Jelena, Valeri, Sascha, Juri, …

Akkem – Trekking mit schwerem Gepäck zum Fuss der Belucha.

Im Altai

Da sich die Belucha noch fast hundert Kilometer südlich Tjungur befindet, muss man sich dem Berg in mehreren Tagesetappen zu Fuß nähern. Das ist schon ein großer Unterschied zu den Alpen, wo man dank Überinfrastruktur an einem Wochenende ja mehrere 4000er abhaken kann.

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Tjungur – “Wild-Ost” im Altai.

Nach der Verladung von Ausrüstung und Proviant in Nowosibirsk ging es dann mit einem Mikrobus auf die lange Reise ins Altai nach Tjungur, dem letzten noch mit einem normalen Fahrzeug erreichbaren Ort vor der Katunkette, deren höchster Gipfel die Belucha bildet.

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Nowosibirsk – Stadtspaziergang in der Metropole Sibiriens

Плохо – schlecht. So die Antwort von Bergführer Andrej auf meine Frage nach dem Wetter in den nächsten Tagen bei unserer Bergtour im Altai. Dabei war nach meiner Landung in Nowosibirsk und anschließender Stadtbesichtigung bei sehr angenehmen 25°C keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Doch das täuschte, die Tage vorher hatte es schon geregnet und es sollte auch die nächsten Tage regnen bzw. in den Hochlagen auch schneien.

 

Nowosibirsk ist mit 1,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Russlands und die größte Stadt Sibiriens. Sie liegt am riesigen Strom Ob, dessen Quellflüsse Katun und Bija im Altaigebirge entspringen und nach 4300 Kilometern ins Nordpolarmeer mündet. Die Umgebung der Stadt ist nur leicht hügelig und das nächste Hochgebirge mit dem Altai oder Sayan ca. 400 km Luftlinie entfernt. Trotzdem gibt es dort eine Alpinszene, so daß die Stadt oft Ausgangspunkt für Touren ins Altai bildet.

Auf mich machte Nowosibirsk einen etwas provinziellen Eindruck  trotz ihrer Einwohnerzahl und der Existenz der Metro. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Stadt wie alle sibirischen Städte noch recht jung ist, und es somit keine wirklich alten Gebäude, große Kathedralen oder einem Kreml, wie in den meisten Städten im europäischen Teil Russlands gibt.

Sehenswürdigkeiten :

  • Bahnhof
  • Metro
  • Leninplatz mit Oper
  • Kapelle am Geografischen Zentrum Russlands
  • Flussfahrt auf dem Ob
  • Zoo