Planung Peru und Bolivien 2016
Südamerika - Terra incognita

Zumindest für mich ist Lateinamerika der unbekannte Kontinent schechthin. Bisher hatte ich kaum einen Bezug zur dortigen Sprache und Kultur.

Anderswo auf der Welt gibt es auch schöne Ziele mit toller Natur und fremden Kulturen. Was mich auch etwas abschreckte, war die wohl unbestreitbar hohe Kriminalität in einigen dortigen Ländern. Wenn man dem Klischee oder Erzählungen glauben darf, war man nicht wirklich in Brasilien, wenn man dort nicht mindestens einmal ausgeraubt wurde. Nicht nur deshalb bin eigentlich eher ein großer Fan von Touren in menschenleeren Gegenden wie Wüsten oder Ländern wie Russland bzw. Sibirien. Solange man dort den Mund nicht zum Sprechen öffnet, geht man auch in Wladiwostok als Mitteleuropäer als “Einer der Ihren” durch. Ich mag diese Art des “Unerkannt”-Reisens. Dies ist leider in Südamerika nicht gegeben – sofort fällt man dort als “Gringo” auf.

Dies war meine Einschätzung bis ich etwa zum letzten Jahreswechsel günstig über einen Errorfare bzw. eine ziemlich durchgeknallte Promoaktion von Britisch Airways günstig für etwa 280 € an Flugtickets nach Peru kam.

Nun also Peru. Was macht man dort eigentlich ?

 

Meine Planungskarte auf Google-Mymaps mit allen für mich interessanten Orten im Suchgebiet Peru / Bolivien (zoomen!).

 

Peru = Machu Picchu !?

Kennt jeder. Weltkulturerbe ! Die Ruinenstadt der Inka. Spielt einer Liga mit den Pyramiden von Gizeh oder Angkor Wat in Kambodscha. Trotz Touri-Rummel, überteuerter Bahnfahrt dorthin und anderen unschönen Auswüchsen.  Muss man also einfach gesehen haben. Ist gebongt. √

Aber was mache ich bloß die restlichen 25 Tage vor Ort ?

Wie so häufig, ist die Kunst eher die des Weglassens. Die eigentliche Frage lautet also : Welche potentielle Ziele kommen auf die Streichliste und welche Schwerpunkte sollen gesetzt werden ?

Wenn ich im Erdkundeunterricht richtig aufgepasst habe, sind die südamerikanischen Andenstaaten durch die geografische Dreiteilung in Küste, Hochgebirge und Regenwald mit stark unterschiedlichen Klimazonen geprägt. Ich möchte also Humboldt nachreisen und Costa, Sierra und Selva mit ihren vielfältigen Vegetationsstufen erleben !

Costa

Die Küste werde ich auf jeden Fall sehen, da ich in Lima landen werde. Ansonsten reizt mich die Hauptstadt als riesiger Moloch nicht wirklich. Viele Riesenstädte sind auch irgendwie ähnlich. Was unterscheidet das  Häusermeer von Lima, Sao Paulo oder Manila ? Ich gebe zu, über diese Ansicht kann man sicherlich vortrefflich streiten. Ich kenne einige Leute, die in ähnlicher Form über unterschiedliche Berge denken. Wo ich persönlich unterschiedliche Gesteinsarten, Gletscher und Felsstrukturen feststelle, handelt es sich für Andere nur jeweils um einen weiteren schnee- und eisbedeckten großen Felsen.

Die spanische Kolonialarchitektur und Stätten der Inkas lassen sich besser in Cuzco und dem heiligen Tal erkunden. Ich bin jedenfalls zu der Einschätzung gekommen, dass man sich Lima wohl schenken kann. ⊗

Die Küstengegend in Peru ist ja sehr trocken bzw. teils von Wüste geprägt und macht daher auf mich einen eher trostlosen Eindruck. So etwa wie in Marokko oder Ägypten, nur ohne orientalisches Flair. Zum Baden reist wahrscheinlich kaum jemand nach Peru, denn den Humboldtstrom ist das Wasser recht kalt. Obwohl ich begeisterter Wellenreiter bin und es am Pazifik weltklasse Spots etwa in Mancora oder bei Trujillo gibt, muss ich erst noch die Erinnerungen an meine Blessuren noch vom letzten Surfurlaub kurieren. Direkt bei Lima in Miraflores soll das Meer auch stark verschmutzt sein. Wassersport am Ozean wird also für mich in Peru gestrichen. ⊗

Weitere Attraktionen der Küstengegend liegen auf dem sogenannten Gringo Trail und schon deshalb stehen auf der Streichliste

  • Nasca-Linien Landschaftsbilder, die man eigentlich nur aus dem Flugzeug bewundern kann ⊗
  • Islas Ballestas, Poor man’s Galapagos – die echten Galapagos Inseln sind besser ⊗
  • Oasis de la Huachachina, eine kleine Oase voll mit Hotels nur 1500m! von der nächsten Stadt entfernt gelegen ⊗
  • Sandboarding auf der riesigen Cerro Blanco Sanddüne   – eigentlich geil, aber schon mal in Marokko probiert und gescheitert ⊗

Somit bleibt von der Costa nicht mehr viel übrig, als vielleicht eine Busfahrt von Lima nach Cuzsco ….

 

Sierra

Mein erster Gedanke bei der Sierra war : Rauf auf einen Traumberg wie den Alpamayo ! Zur Not würde auch der Nevado Pisco oder Vallunaraju als einfache Varianten gehen. Doch leider ist Saison in meiner Reisezeit im Oktober bereits vorbei, da das Wetter im beginnenden Südsommer instabiler wird und die Niederschläge zunehmen.

Bleibt also noch reines Trekking. Die legendäre Runde um die Cordillera Huayhuash erscheint mir zu weit entfernt vom Pflichtziel Machu Pichu zu sein. Deshalb besser Trekking nach Machu Picchu, so wie es vor Jahrhunderten bereits die Inkas gemacht haben. Der Zug dorthin von Cuzco aus dorthin gilt als ziemlich überteuert, so dass ich ihn maximal für den Rückweg in Betracht ziehen würde.

Es existieren folgende Trekkingvarianten nach Machu Piccho :

  • Inka Trail
    • 4 Tage, max. 4200 m, 45 km
    • der Klassiker und Weg der Könige nach Machu Picchu
    • leider stark reglementiert auf 500 Personen / Tag und zwingend als Tour nur Monate im voraus buchbar
  • Salkantay Trek
    • 5 Tage, max. 4600 m, 55 km
    • der Weg des normalen Inka Volkes nach M.P.
    • inzwischen auch schon ziemlich touristisch, da nicht reglementiert
    • sogar leichter als Inka Trail, leider durch breite Fahrwege als Trekkingroute entwertet
  • Choquequirao Trail
    • 9 Tage, max. 4600 m, 77 km
    • Besuch der abgelegenen Ruinenstadt Choquequirao, zusätzlich zu Machu Piccho
    • weniger begangen, Selbstversorgung nötig ?
  • Lares Trek(s)
    • 3-5 Tage, max 4500m
    • relativ einsame Treks in Richtung des Dorfes Lares
    • Treks führen nicht direkt nach Machu Piccho
  •  Inka Dschungel Trail
    • 4 Tage, max. 4300 m, 60 km
    • reiner Fun-Trail ohne Passüberquerungen
    • Zusammensetzung aus verschiedenen Aktivitäten wie Down-Hill Mountainbiking, Trekking, Zip-Lining und Rafting

 

Übersicht der verschiedenen Trekkingrouten nach Machu Picchu

 

Im Laufe meiner Recherchen stieß ich dann noch auf einen Bericht über ein einsames Trekking um den Cerro Ausangate in der Cordillera Vilcanota. Das 6 tägige Trekking gefällt mir Landschaftlich irgendwie sogar besser als die Wanderungen um Machu Picchu. Außerdem befindet sich dort in der Nähe die Vinicunca bzw. Regenbogenberge. Durch intensive Suche in Googlemaps konnte ich tatsächlich diese, meines Wissens nirgendwo genau verortete, fantastische Landschaft exakt lokalisieren. √

 

Eine weitere schöne Aktivität in der Sierra um Cusco wäre ein Rafting auf dem Apurimac. Gilt doch der Fluss als eine der Top-Destinationen weltweit für diesen Sport. Aber ich vermute zu Beginn der Regenzeit im Herbst wird der Fluss wohl nur wenig Wasser führen . Außerdem raten die Ureinwohner von Rafting auf dem Fluss ab, was man als guter Gast respektieren sollte. Also leider : Streichliste ⊗

Bei meiner weiteren Suche kam ich mehr und mehr zur Erkenntnis, dass das Nachbarland Bolivien eigentlich auch ein lohnenswertes Ziel wäre ! Ein Traum von mir war immer eine Fahrt auf den Größten Salzsee der Welt dem Salar de Ujuni im Rahmen einer Jeep-Tour auf dem Altiplano. Nun war die Chance da, Bolivien ist nicht so weit entfernt vom südlichen Peru und Cuzco. Am liebsten würde ich zwar einen Geländewagen mieten und dort auf eigene Faust herumcruisen, aber das ist doch recht aufwändig. Es gibt ja viele günstige geführte Touren. Der Zeitbedarf wäre 3 – 5 Tage. Der Empfehlung vieler Forenbeiträge nach würde ich von Tupiza und nicht von Uyuni starten. Also : Must See ! √

Zentraler Punkt Boliviens ist der Regierungssitz La Paz. Neben der Stadtbesichtigung scheinen Downhill Fahrradtouren auf dem Camino del Muerte sowie Besteigungen des 6000er Hausberges Huayna Potosi zu den Hauptattraktionen für Outdoorbegeisterte in der Umgebung zu sein. Während ich das Downhill mit anschließenden Ziplining zwar für interessant, aber für überbewertet halte, ist die Möglichkeit zur Besteigung eines 6000ers innerhalb von drei Tagen doch etwas Weltweit besonderes. Da ist er also doch noch  : Ein möglicher Andengipfel auch im Oktober natürlich schon abhängig vom Wetter ! √

Auf der Strecke von Cusco nach La Paz könnte man sich den den Titicacasee ansehen. Während die typischen Besichtigungen der schwimmenden Dörfer und der Isla del Sol mit dem Ort Copacabana nicht so auf mein Interesse stoßen, fände ich eine Seekajaktour auf dem Titicacasee wirklich klasse. Leider ist der Verleih von Kajaks recht teuer und es gibt meistens nur geführte Touren. ⊗

 

 

Selva

In der Anfangsphase meiner Planungen meinte ich man müsste in den Amazonas-Regenwald unbedingt nach Iquitos. Auch so ein Sehnsuchtsort aus dem Geografieunterricht! Doch musste ich dann feststellen, dass die An- und Abreise zu der größten Stadt weltweit ohne Straßenverbindung zur Außenwelt nicht ganz billig bzw. sehr zeitintensiv ist. Die Fahrt auf dem Amazonas mit einem Frachtschiff von Iquitos nach Pucallpa ist sicherlich ein tolle Erfahrung, aber dauert mindestens drei Tage.

Prinzipiell gibt es im westlichen Amazonasbecken mehrere Nationalparks mit folgenden Orten als Ausgangspunkt :

Mir erscheint der Tourismus in Bolivien nicht so ausgeprägt wie in Peru zu sein, und die Touren sind im bolivianischen Madidi Nationalpark etwas günstiger als bei den peruanischen Alternativen.

Entscheidend ist für mich aber auch  die Art der Dschungel-“Besichtigung”. Als Unterkunft bevorzuge ich ein einfaches Zelt statt einer mit großem logistischen und finanziellem Aufwand auf europäischem bzw. nordamerikanischen Komfort getrimmten Lodge. Außerdem mag ich lieber Bootstouren oder Trekking von Ort zur Ort als die Präsentation von halbzahmen Tieren in der Nähe einer Urwald-Lodge. Da ist es mir auch egal, ob ich nun vielleicht keinen Jaguar, keine Anakonda oder keinen Nasenbären sehe, auf jeden Fall ist eine solche Tour authentischer. Denn zum Tiere gucken kann man auch in jeden Zoo gehen.

Eine Regenwaldtour würde ich aber auf jedenfall mit Führer machen. Im Dschungel kennt man sich im Gegensatz zum Gebirge als Europäer einfach zu wenig aus. Yossi Ghinsberg beschreibt das in seinem Buch ja sehr eindrucksvoll. Unter den zehn offiziellen Anbietern fiel mir dann tatsächlich eine Trekkingtour ins Auge. Trekking quer durch den Madidi Nationalpark vom Amazonas zu den Anden. Also durch alle Klimazonen in einer Tour. Mit unausgegrabenen alten Ruinen. Wow ! Mein Traum. Ich bin immer ein Freund von Durchquerungen (von Wüsten, Gebirgen) oder Umrundungen (von Inseln), dies hat so den Charme einer “echten” Entdeckungsreise. Vor allem scheint es sich um eine wirklich ernsthafte Tour zu handeln, der Zeitbedarf beträgt satte 10 bis 25 Tage. Damit wäre allerdings fast mein gesamtes Zeitbudget aufgebraucht. Fast würde ich auf alles andere verzichten und nur diese eine einzige Tour machen wollen. Allerdings kann so etwas nicht nur anstrengend, was ich prinzipiell gut finde, sondern auch sehr eintönig und langweilig sein. Ich bin mir aktuell einigermaßen unschlüssig und werde auf jedenfall den Anbieter mal kontaktieren. √

 

 

Der Gringo Trail

So nennt man auch die Hauptreiseroute für Touristen oder auch Mochileros in Peru. Über den Genauen Verlauf kann man sich streiten aber auf jeden Fall enthalten sind die folgenden Stationen :

  • Lima
  • Nasca Linien
  • Arequipa
  • Canyon de Colca
  • Cuzco
  • Machu Piccho

Ich möchte wie bereits beschrieben prinzipiell versuchen als Individualreisender dem größten Trubel zu entgehen. Aber natürlich sind Sehenswürdigkeiten nicht umsonst sehenswert. Es ist das alte Dilemma, das wirkliche Peru wird man in Machu Picchu und Umgebung nicht mehr finden.

Ärgerlicherweise wird ausgerechnet jetzt im aktuellen Lonely Planet Newsletter Peru und Machu Picchu als bestes Reiseziel für Oktober 2016 vorstellt. Begründet wird dies mit noch sehr guten trockenem Wetter und der weitaus geringeren Anzahl an Touristen in der Nachsaison ! Prinzipiell war das auch meine Überlegung im gerade Oktober nach Peru zu fahren, aber nun muss ich hoffen, dass der Newsletter von LP nicht allzu reichweitenstark ist …

 

Der typische Verlauf des “Gringo-Trails” im Süden von Peru.

 

Höhenanpassung

Auch wenn ich vor einigen Jahren mal mit entsprechender Akklimatisierung bereits auf 7134m Höhe war, habe ich doch gehörigen Respekt vor der Höhe in den Anden. Schließlich möchte nicht unnötig wertvolle Reisezeit durch starke Kopfscherzen oder Schlimmeres riskieren.  Deshalb sollte eine Anpassung der Route mit über die Zeit aufsteigender Höhe erfolgen. Natürlich ist dies nicht ideal möglich, aber es erscheint mir folgende Reihenfolge als also Kompromiss zwischen kurzer Route und Höhenanpassung einigermaßen sinnvoll zu sein :

  1. Lima – 160 m
  2. Cuzco – 3400m
  3. Treking nach Macchu Piccho – 4600m
  4. Trekking Vilcanota – 5000m
  5. Titicacasee – 3800m
  6. La Paz – 3200 – 4100m
  7. Salar de Uyuni / Altiplano – 3700m
  8. Gipfel Huayna Potosi – 6088m
  9. Rurrenabaque / Madidi / Regenwald 200m

 

Vorläufiges Fazit

Wie fast immer bei meinen Planungen, will die Rechnung einfach nicht aufgehen. Zu viel Programm für zu wenig Urlaub.  Ich werde mir überlegen müssen was noch entfallen kann. Natürlich ist die Reise so sehr Trekking-lastig. Also eine Trekking-Tour weniger und doch Kajak oder Rafting ?

Übersicht Zeitbedarf :

  • Trekking Machu Micchu min. 5 Tage
  • Trekking Vilcanota 5-6 Tage
  • Altiplano Jeeptour 5 Tage
  • Huayna Potosi – 3 Tage
  • Madidi Nationalpark min. 10 Tage

 

In Summe komme ich vielleicht auf 28 Tage bei effektiv 26 Tagen vor Ort in Südamerika ohne Transferzeiten ! Vielleicht sollte man einfach nicht so viel planen und besser vor Ort spontan entscheiden …

Sprache

Ab letzten Montag habe ich doch tatsächlich angefangen mit den beiden Apps Duolingo und Memrize Spanisch zu lernen. bei meinem bescheidenen Sprachtalent gehe ich zwar nicht davon aus bis zur Reise noch große Fortschritte zu machen, aber habe mir vorgenommen jeden Tag zu üben. Die Streaks und Erinnerungsmails von Duolingo motivieren ja ganz gut …

 

Planung Vietnam und Kambodscha 2013 – Links und Rechts des Banana Pancake Trails

Nach wir 2012 bereits in Thailand und Laos unterwegs waren, sollte dies die Fortsetzung der Reise, also „Indochina Teil II“ sein. Hauptziel wird diesmal Vietnam, auch wenn man durch vergleichsweise hohe Visagebühren scheinbar Touristen abschrecken will. 😉

Zuerst dachte ich die Planung ist simpel :

Einfach einmal von Norden nach Süden die Küste abfahren – das bietet sich einfach an bei einem so lang gestreckten Land.

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Reiseplanung Südostasien 2012

Die Initialzündung für die Reise war ein Errorfare von Qatar Airways  im September 2012, durch den man für 320 Euro einen Gabelflug von Rom nach Bangkok und zurück nach Frankfurt in der Hauptsaison ergattern konnte. Nach kurzem Check, dass Flüge von Berlin nach Rom mit Air Berlin am relevanten Tag auch nur 39 Euro kosten, war der Flug gebucht, und kurz darauf trudelten tatsächlich die E-Tickets im Mailkasten ein. Weiterlesen